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KNX

Der offene, dezentrale Bus-Standard der Raumautomation — von Telegramm und Topologie bis zur Adressierung mit physikalischen & Gruppenadressen. Mit Diagrammen und interaktivem Mini-Test.

offen · ISO/IEC 14543-3 dezentral · kein Master ETS · herstellerunabhängig TP · PL · RF · IP
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Was ist KNX?

KNX ist ein offener Standard für die Gebäudeautomation im Wohn- und Zweckbau. Die Produktzertifizierung durch die KNX Association garantiert Interoperabilität & Kommunikationsfähigkeit zwischen Geräten verschiedener Hersteller.

Internationaler Standard

  • CENELEC (EU): EN 50090
  • CEN (EU): EN 13321-1/2
  • ISO/IEC (Int.): ISO/IEC 14543-3
  • SAC (China): GB/Z 20965
  • ANSI/ASHRAE (USA): Standard 135

Kernfakten

  • Eine herstellerunabhängige Software: ETS (Engineering Tool Software)
  • Kompatibel mit EIB (European Installation Bus)
  • Koppelbar mit anderen Systemen (z.B. BACnet, DALI)
  • Anwendungen: Beleuchtung, HLK, Beschattung, Energie, Sicherheit, Metering …
EinordnungKNX sitzt auf der Feldebene / Raumautomation und gilt als das «dezentrale» System der klassischen GA-Welt — im Gegensatz zu BACnet («zentral», Management/Automation). LON/LonMark ist heute obsolet.
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Dezentrales Bussystem

Der zentrale Charakterzug von KNX: Es gibt keinen Master. Die Intelligenz ist gleichmässig über alle Teilnehmer verteilt — jeder Teilnehmer hat einen eigenen Mikroprozessor. Controller sind möglich, aber meist nicht nötig.

Dezentral (KNX) BUS Sensor+ µP Aktor+ µP Bedien.+ µP Intelligenz in jedem Gerät · kein Single Point of Failure Zentral (Controller) Controller S A B Controller = systemrelevant · Single Point of Failure
Fig. 1 — Dezentrale vs. zentrale Intelligenz

Vorteile dezentral

  • kein Single Point of Failure (ausfallrobust)
  • weniger Material / Verkabelungsaufwand
  • flexibel erweiterbar

Nachteile dezentral

  • geringere Performance als ein zentraler Controller
  • komplexer in Programmierung/Parametrierung
  • bei komplexen Aufgaben (z.B. Storen) oft Controller nötig
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Funktionsweise

Ein Sender (z.B. Sensor) schickt ein Telegramm auf den Bus. Jedes Telegramm wird von sämtlichen Teilnehmern empfangen — aber nur die mit der passenden Gruppenadresse reagieren. Die Funktion jedes Teilnehmers bestimmt die Programmierung.

KNX-Bus Senderz.B. Sensor Empfängerz.B. Aktor Telegramm «Nutzer präsent» → «Licht an»
Fig. 2 — Telegramm = Ereignis senden, passender Empfänger handelt
KernaussageKein Master. Jedes Telegramm geht an alle. Nur Geräte mit passender Gruppenadresse werten es aus und senden eine Quittung. Die physikalische Adresse identifiziert das Gerät bei der Inbetriebnahme.
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Elektroinstallation

KNX trennt Kommunikation und Energie: Der Bus (Kleinspannung) und die Last-Stromversorgung (230 V / 400 V) laufen in zwei getrennten Netzen.

MerkeLast-Strom (230/400 V) und Bus sind physisch getrennt. Über den Bus selbst zieht ein Gerät nur Minimalleistung — die eigentliche Schaltleistung kommt über das separate 230/400-V-Netz zum Aktor.
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Netzwerkoptionen

KNX kennt mehrere Übertragungsmedien. Der Klassiker ist TP; IP dient als schneller Backbone.

OptionPrinzipVorteileNachteile
KNX TP
Twisted Pair
Zweidraht, 9'600 bit/s, ~24 Vbillig, einfache Installation, weit verbreitetlangsam
KNX PL
Power Line
Trägerfrequenz übers Stromnetz, 1'200 bit/snutzt Stromnetz, keine extra Leitungsehr langsam, nicht mit jedem Netz
KNX RF
Radio Frequency
Funk, 16,4 kbit/s/Kanal, 868,3 MHzdrahtlosInterferenzen, keine Fernspeisung, selten
KNX IP
Internet Protocol
über UDP, Datenrate je nach Ethernetschnell, nutzt IP-Infrastruktur (Backbone)höherer Stromverbrauch, teurer
PrüfungszahlTP1 = 9'600 bit/s — die zentrale Zahl. Real ergibt das nur ~30–50 Gruppentelegramme/s, für Raumautomation aber völlig ausreichend (ereignisbasiert).
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Standard-Datentelegramm

Ein KNX-Telegramm besteht aus festen Feldern. Du solltest die Felder und ihre Funktion kennen.

Kontroll-feld · 1B AbsenderAdr · 2B ZielAdr · 2B DAF1bit Routing3bit Länge4bit Nutzdaten2–16B PrüffeldBCC · 1B
Fig. 3 — Felder des Standard-Datentelegramms
FeldGrösseFunktion
Kontrollfeld1 BytePriorität (System / Alarm / hoch / niedrig); Wiederholung ja/nein
Absenderadresse2 Byteimmer physikalische Adresse (Bereich.Linie.Teilnehmer)
Zieladresse2 Bytephysikalische oder Gruppenadresse
DAF1 BitEinzel- oder Gruppen-Telegramm
Routingzähler3 Bitbestimmt, wie weit das Telegramm verteilt wird
Nutzdatenlänge4 BitLänge = Wert + 1
Nutzdaten2–16 ByteSchalten, Dimmen, Zeit …
Prüffeld (BCC)1 ByteBlockparitätsprüfung (Fehlererkennung)
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Topologie

KNX ist hierarchisch in Bereiche → Linien → Teilnehmer gegliedert, verbunden über Koppler.

  • TLN — Teilnehmer (Knoten)
  • SV — Spannungsversorgung & Drossel
  • LK — Linienkoppler («KNX-Switch»): verbindet Linie ↔ Hauptlinie
  • BK — Bereichskoppler: verbindet Bereich ↔ Bereichslinie (Backbone)
BK1 BK2 Bereichslinie 0.0 Hauptlinie 1.0 Hauptlinie 2.0 Bereich 1 (Westflügel) Bereich 2 (Ostflügel) LK Linie 1.1 LK Linie 1.2 LK Linie 1.3 LK Linie 2.1 LK Linie 2.2 LK Linie 2.3 SV TLN
Fig. 4 — Bereiche, Hauptlinien, Linien und Koppler
MengengerüstMaximal 1 Bereichslinie (Backbone). Adressstruktur erlaubt Bereich 0–15, Linie 0–15, Teilnehmer 0–255. Pro Liniensegment physisch ca. max. 64 Geräte (durch die Bus-Speisung begrenzt); jedes Segment braucht eine eigene SV.
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Adressierung

Das prüfungswichtigste Thema: KNX kennt zwei Adresstypen mit völlig unterschiedlichem Zweck.

Physikalische Adresse ≈ MAC

Bereich Linie Teilnehmer 0–15 (4 bit)0–15 (4 bit)0–255 (8 bit)
Bereich . Linie . Teilnehmer — z.B. 1.1.3

Gruppenadresse ≈ virtuelle Verdrahtung

Hauptgruppe Mittelgr. Untergruppe 0–150–70–255
Hauptgruppe / Mittelgruppe / Untergruppe — z.B. 1/1/0
PrüfungsfallePhysikalische Adresse = wo das Gerät steckt (Inbetriebnahme, einmalig, im Betrieb egal). Gruppenadresse = welche Funktion es bedient (virtuelle Verdrahtung, im Betrieb relevant). Beispiel: Taster mit Gruppenadresse 1/1/0 sendet «1» → nur Aktoren mit 1/1/0 schalten + quittieren.
ETSDie Engineering Tool Software ist das herstellerunabhängige Werkzeug zur Planung, Adressvergabe und Konfiguration. Die physikalische Adresse wird per Programmiertaste am Gerät zugewiesen.
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KNX modern

KNX IoT

Erweiterung für die Integration ins Internet der Dinge: Anbindung an Cloud-Dienste, mobile Apps und andere IoT-Plattformen. Übertragung u.a. über Thread-Netzwerke möglich.

KNX Secure

Sicherheitserweiterung gegen unbefugten Zugriff & Manipulation: Authentifizierung, Verschlüsselung, Schutz vor Replay-Angriffen, Schlüsselmanagement.

Parallele zu BACnet/SCAuch hier gilt das Zero-Trust-Muster: Authentifizierung (wer darf) + Verschlüsselung (Daten nur mit Schlüssel lesbar).
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So baust du es auf

Beispiel Bürogebäude (UG–OG4, ~100 Teilnehmer/Stockwerk, Gewerke Wärme/Lüftung/Beleuchtung/Sonnenschutz). So denkst du ein sinnvolles Adressierungsschema durch.

Physikalisch (Topologie)

  • Bereich = Gebäude / Flügel
  • Linie = Stockwerk (eigene SV pro Linie)
  • Teilnehmer = Gerät auf dem Stockwerk
  • z.B. 1.2.5 = Bereich 1, Etage 2, Gerät 5

Gruppen (Funktion)

  • HG = Gebäudeteil/Etage
  • MG = Gewerk (Licht, Storen, Heizung …)
  • UG = konkrete Funktion
  • z.B. 1/2/1 = Etage 1, Jalousie, Lamelle
Bereich 1 — Hauptlinie 1.0 Linie 1.5 · OG4 — Licht · Storen · HLK · Sensorik (~100 TLN) Linie 1.4 · OG3 — … Linie 1.3 · OG2 — … Linie 1.2 · OG1 — … Linie 1.1 · EG — …  (je Linie: eigener LK + SV)
Fig. 5 — Eine Linie pro Stockwerk, Gewerke über Gruppenadressen
DenkschemaPhysikalische Adresse folgt der Baustruktur (wo). Gruppenadresse folgt der Funktionslogik (was). Beide trennen — dann bleibt die Anlage erweiterbar und im Betrieb umkonfigurierbar.
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Mini-Test

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